Leadership mit verschiedenen Hüten

Interview mit Regula Bührer Fecker

Regula Bührer Fecker führt nicht aus dem Lehrbuch. Sie führt aus Erfahrung – als Kommunikationsstrategin, die Organisationen hilft, klarer zu werden; und als Verwaltungsrätin mit über 20 Jahren Erfahrung (tibits, annabelle, mal ehrlich, namuk), die weiss, wann sie schweigt und wann sie interveniert. Im Gespräch mit Bettina Freihofer Estrada spricht sie über zwei Hüte, eine Haltung – und warum echte Führung manchmal unbequem sein muss.

Bettina Freihofer: Regula, du bist Kommunikationsstrategin und seit 20 Jahren Verwaltungsrätin. Zwei sehr unterschiedliche Rollen. Was verbindet sie für dich?

Regula Bührer Fecker: Im Kern geht es in beiden darum, zu verstehen, was eine Organisation wirklich braucht – und nicht nur, was sie zu wollen glaubt. Als Kommunikationsstrategin arbeite ich mit sehr unterschiedlichen Kunden und lerne jede Organisation neu kennen: Wer sind sie? Was wollen sie sagen – und was meinen sie wirklich? Im Verwaltungsrat ist es ähnlich: Ich bringe eine externe Perspektive mit, die hilft, blinde Flecken zu erkennen. Die Haltung ist dieselbe, der Kontext ein anderer.

 

Bettina Freihofer: Wie verändert sich deine Art zu führen je nach Rolle?

Regula Bührer Fecker: Als Beraterin führe ich über Vertrauen und Inhalt – ich überzeuge, ich empfehle, ich begleite. Im Verwaltungsrat ist meine Rolle strategischer: Ich stelle die richtigen Fragen, bringe Orientierung und denke langfristig mit. Was sich nicht verändert, ist meine Grundhaltung: klar, verlässlich und direkt. Das ist für mich die Basis jeder guten Zusammenarbeit.

 

Bettina Freihofer: Klarheit scheint dir sehr wichtig zu sein. Warum?

Regula Bührer Fecker: Weil Unklarheit teuer ist – sie kostet Zeit, Vertrauen und Energie. Ich sage lieber früh und direkt, was ich denke, auch wenn das manchmal unbequem ist. Gleichzeitig bedeutet Klarheit nicht, immer alle Antworten zu haben. Ich sage auch laut, wenn etwas noch offen ist. Diese Ehrlichkeit schafft Vertrauen, und ohne Vertrauen funktioniert keine Führungsbeziehung.

 

Bettina Freihofer: 20 Jahre Verwaltungsratstätigkeit – was hast du in dieser Zeit über gute Führung gelernt?

Regula Bührer Fecker: Es braucht eine gute und bewusste Balance zwischen Nähe und Distanz, um das grosse Ganze zu verstehen und zu sehen. So kann ich als Verwaltungsrätin am besten unterstützen und kann auf blinde Flecken hinweisen, bevor sie sichtbar werden. 

 

Bettina Freihofer: Was würdest du Führungspersonen mitgeben, die heute in mehreren Rollen unterwegs sind?

Regula Bührer Fecker: Sich der eigenen Rolle immer bewusst sein – und ihr gerecht werden. Jede Rolle hat ihren eigenen Hebel, und wer das respektiert, ist wirksamer. Und: Reflexion ist kein Luxus. Wer regelmässig einen Schritt zurücktritt und fragt, ob er noch auf dem richtigen Weg ist, führt nachhaltiger. Leadership ist keine Eigenschaft, die man hat – es ist eine Haltung, die man täglich neu wählt.

 

 

Das Interview führte Bettina Freihofer Estrada.

März 2026

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