«Ein Organigramm? Das brauche ich nicht.»
2010 entdeckte ich bei meinem Vater, Gründungspartner von mitPlan und Entwickler der SteeringSoulution®, eine Tabelle, die seine gesamte Organisation abbildete. Er führte damals ein Industrie-KMU mit Kunden und Lieferanten in der ganzen Welt. Die Tabelle zeigte Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Zusammenhänge. Aber etwas fehlte: das Organigramm. Ich fragte ihn: «Und wo ist dein Organigramm?» Seine Antwort: «Das brauche ich nicht.» Ich war irritiert. Wie kann man ein Unternehmen ohne Organigramm führen? Ohne Kästchen, Linien und Hierarchien? Schliesslich hatte ich gelernt, dass genau das die Grundlage jeder Organisation ist. Aus meiner Arbeit als Leiterin Unternehmenskommunikation war ich es gewohnt, dass der Wunsch nach Organigrammen immer überall als Erstes aufkam - insbesondre vom Top-Management.
Mein Vater erklärte mir, wie er sein Unternehmen stattdessen organisierte: ausgehend von den Hauptaufgaben, der Wertschöpfung und dem Zusammenspiel aller Beteiligten. Entscheidend war für ihn nicht, wer in welchem Kästchen steht, sondern wer welche Aufgaben erfüllt, welche Verantwortung trägt und wie die einzelnen Arbeiten ineinandergreifen. Sein Anspruch war, dass alle Mitarbeitenden die bestmöglichen Voraussetzungen haben, um ihre Arbeit gut zu machen. Dafür mussten sie verstehen, wie das Unternehmen als Ganzes funktioniert und welches ihr Beitrag zum Ganzen ist.
Der Beginn, Organisationen als Ganzes zu betrachten
Dieses Gespräch veränderte meinen Blick auf Organisationen. Ein Organigramm zeigt, wie eine Organisation hierarchisch gegliedert ist. Aber es erklärt nicht, wie sie tatsächlich funktioniert. Es zeigt weder die Wertschöpfung, den Informationsfluss noch die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg. Und schon gar nicht, wie Entscheidungen zustande kommen oder wo im Arbeitsalltag Verantwortung wahrgenommen werden muss. Das Problem ist also nicht das Organigramm selbst. Problematisch wird es, wenn wir es mit der Organisation verwechseln. Ähnlich verhält es sich mit Kompetenzmatrizen oder Stellenbeschreibungen. Jedes dieser Instrumente erfüllt einen bestimmten Zweck. Doch keines bildet für sich allein ab, wie eine Organisation funktioniert. Für die Führung und insbesondere die Steuerung einer Organisation reicht das bei Weitem nicht aus.
Nicht die Hierarchie, sondern das Zusammenspiel ist entscheidend
Diese Erkenntnis prägt unsere Arbeit bei mitPlan und mit der SteeringSoulution® bis heute. Statt Organisationen primär über Hierarchien abzubilden, machen wir ihre Funktionsweise sichtbar: mit klar definierten Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Handlungsketten, die das Zusammenspiel konkret beschreiben. Dabei sprechen wir bewusst von Verbindungsstellen statt Schnittstellen. Denn es geht nicht darum, wo eine Aufgabe oder Zuständigkeit endet, sondern wie die Arbeit miteinander verbunden ist und ein Ergebnis entsteht. Auch unterscheiden wir zwischen Funktionen und Rollen: Funktionen sind unter anderem für den Arbeitsvertrag relevant. Rollen beschreiben, welche Verantwortung jemand im konkreten Arbeitsalltag übernimmt. Mitarbeitende müssen deshalb nicht nur wissen, wem sie unterstellt sind. Sie müssen vor allem verstehen, was sie zur Wertschöpfung beitragen, welche Entscheidungen sie treffen dürfen und wie ihre Arbeit mit jener anderer zusammenhängt. Das schafft nicht nur Klarheit. Es ermöglicht eigenständiges Handeln, reduziert unnötige Abstimmungen und bildet die Grundlage dafür, dass sich eine Organisation aus eigener Kraft weiterentwickeln kann.
Ein Organigramm kann Orientierung geben. Aber es führt keine Organisation.
Deshalb nutzen wir Organigramme dort, wo sie sinnvoll sind, beispielsweise zur Orientierung nach aussen. Für die Führung, Steuerung und Zusammenarbeit braucht es jedoch mehr: ein gemeinsames Verständnis davon, wie die Organisation als Ganzes funktioniert. Genau das bietet unser Betriebssystem für Organisationen: die SteeringSoulution®. Denn letztlich entscheidet nicht die Darstellung einer Organisation über ihre Leistungsfähigkeit, sondern wie gut ihre Aufgaben, Menschen und Abläufe zusammenspielen.
Text: Bettina Freihofer
Bild: KI
November 2026


